Wider das Vergessen – Oscar und die SED

Vom Sympathisanten zum Generalsekretär

lafontaine-und-honecker

Als am 25. November 1987 die Stasi die Umweltbibliothek in der Ostberliner Zionsgemeinde durchsucht und sieben Mitarbeiter verhaftete, reihte sich der damalige stellvertretende SPD-Vorsitzende und saarländische Ministerpräsident Oscar Lafontaine in den Chor der Entrüsteten ein. Erich Honecker war über die saarländischen Misstöne „not amused“, fürchtete er doch einen „Richtungswechsel“ seines saarländischen Spezis. Um die sozialistische Gesinnung und DDR-Treue des saarländischen Gernegroß zu überprüfen, sandte Honecker seinen Nuntius für Westkontakte, Gunter Rettner, in die Saarbrücker Staatskanzlei. Rettner verbat sich jede „Einmischung in die inneren Angelegenheiten“ und war anschließend „für ein realistisches Herangehen an die Normalisierung der Beziehung zwischen beiden deutschen Staaten“. Abschließend erinnerte Rettner sein Gegenüber Lafontaine daran: „Umgekehrt habe ja auch Lafontaine davon profitiert, dass die Beziehungen DDR – Saarland besonders gut sind.“ Lafontaines Antwort auf diese Abstrafung hielt Rettner in seinem Bericht für das Politbüro wie folgt fest: Lafontaine habe „sichtlich betroffen“ erwidert, es sei „niemals seine Absicht“ gewesen, „die Politik Erich Honeckers zu diskreditieren“, er habe seine Erklärung „in erster Linie aus innenpolitischer Sicht“ abgegeben. Es folgte die Demutsbezeugung Lafontaines er habe zu dem SED-Generalsekretär „tiefes Vertrauen“.

Wen wundert es da, dass der saarländische GRÖSCHWAZ (Größter Schwätzer aller Zeiten) heute selbst SED-Generalsekretär ist. Nur heißt das heute durch die Geschichtsneuschreibung der sozialistischen Medien und alten Neosozialisten oder jungen Altkommunisten (je nach Betrachtungsweise): Parteivorsitzende der LINKEN. Doch egal welchen Namen sich die SED auch geben mag, es bleibt dennoch immer der gleiche alte Wein in neuen Schläuchen.

sedKein Westdeutscher Politiker pflegte in den achtziger Jahren einen innigeren Kontakt zu der SED-Diktatur. Alleine neun Mal traf sich Lafontaine mit Erich Honecker. Zusätzlich hielt er mehrere Gespräche mit Honeckers Thronfolger Egon Krenz und weiteren Emissären des Unrechtstaats. Lafontaines Doppelspiel aus überzeugter Anbiederung und realpolitisch erzwungener Distanz führte zur treffenden Bezeichnung „Doppel-Enkel“. Die Großväter des „Doppel-Enkel“ waren Willy Brandt für Realpolitik und Erich Honecker für die Überzeugung. Präsumtivgroßmutter war wahrscheinlich Rosa Luxemburg. Für den opportunistischen Lafontaine bedeuteten die Besuche bei seinem zukünftigen Parteigenossen auch bessere Schlagzeilen als dröge Zusammenkünfte bei den verhassten kapitalistischen Partnern der BRD.

Es war ein munteres Geben und Nehmen, das ab 1982 zwischen Saarbrücken und Ostberlin organisiert wurde. Die DDR intensivierte den Jugendaustausch, sie schickte Spitzensportler in die saarländische Provinz und das Ensemble des Volkstheaters Rostock zu einem Gastspiel nach Saarbrücken. Kaum war Lafontaine 1985 zum Ministerpräsidenten gewählt worden, stiegen die DDR-Importe aus dem Saarland von 50 Millionen auf 227 Millionen D-Mark.

Die beiden Saarländer verstanden sich prächtig. Lafontaine gab sich beeindruckt von Honeckers Kampf gegen den Nationalsozialismus, lobte dessen „Disziplin“ und „Verlässlichkeit“, trotz der unterschiedlichen Vorstellungen „über die Begriffe Demokratie und Freiheit“. In einer anbiedernden Würdigung zu dessen 75.Geburtstag schrieb er im Spiegel, „man wird Erich Honecker nicht zum Partner haben können, wenn man ihn als Kommunisten nicht respektieren kann“. Lafontaine konnte Honecker respektieren. Aber er wusste auch, jede Unterstützung aus Ostberlin hat ihren Preis, und er war bereit, diesen zu zahlen.

Als der SED-Chef 1987 in die Bundesrepublik und in seine Heimat reiste, da ließ Lafontaine für Honecker nicht nur die saarländische Polizei Ehrenspalier stehen. Er tat dem Staatsgast auch den Gefallen, die Wiedervereinigung als deutsche Lebenslüge zu behandeln und für die Anerkennung der DDR-Staatsbürgerschaft zu werben. Schon kurz nach der Regierungsübernahme durch die SPD im Jahr 1985 hatte das Saarland zudem die Finanzierung der Erfassungsstelle von Straftaten an der innerdeutschen Grenze eingestellt.

Und auch Honecker tat, was er tun konnte. Er schickte mitten im saarländischen Kommunalwahlkampf 1989 sogar Katarina Witt zu einem Auftritt nach Dillingen. So offensichtlich war die Unterstützung für den SPD-Politiker, dass sich Bundeskanzler Helmut Kohl persönlich beim Politbüro-Mitglied Günter Mittag über den „Quasi-Wahlkampf“ der SED-Eisprinzessin beschwerte.

Die SED setzte frühzeitig große Hoffnungen auf Lafontaine, der schon in jungen Jahren mit seiner Kritik am Nato-Doppelbeschluss oder an der Sozialpolitik von Bundeskanzler Helmut Schmidt für Aufsehen gesorgt hatte. Honecker hofierte ihn, nach einem Treffen der beiden auf der Leipziger Messe erschien das SED-Zentralorgan Neues Deutschland 1987 mit fünf Fotos des Saarländers auf der Titelseite, eine solche Ehre wurde sonst nur der KPdSU-Führung aus Moskau zuteil.

Schon 1982, als er noch Oberbürgermeister von Saarbrücken war, durfte der damals 38-Jährige am Institut für internationale Politik und Wirtschaft der DDR vor etwa 20 SED-Genossen einen Vortrag über „Frieden und Sicherheit in Europa“ halten. Zwei Jahre später feierte ein interner Bericht der Stasi ihn als „profilierten linken Politiker“, der die „gegenwärtige Konfrontationspolitik“ überwinden wolle und „für eine Linksentwicklung in der BRD“ eintrete.

Natürlich gibt es auch Zweifel an den SED-Protokollen. Die SED hatte ein Interesse daran die Aufzeichnungen zu ihren Gunsten zu beschönigen. Es zeigt sich aber, die DDR-Protokollanten spielten zwar kritische Äußerungen herunter und stellten Gemeinsamkeiten besonders heraus, aber erfunden haben sie nichts. Die Tatsache, dass sich der GRÖSCHWAZ zu diesem Kapitel seiner Biografie eher wortkarg gibt, spricht Bände.

Lafontaines hielt sein doppeltes Spiel auch bei seinem ambitionierten Vorhaben 1990 Bundeskanzler zu werden aufrecht. Die Süddeutsche Zeitung spricht über das für die Journalisten und die Öffentlichkeit inszenierte Treffen Lafontaines mit Egon Krenz im Sommer 1989 in Saarbrücken von einem „Meilenstein“ in den deutsch-deutschen Beziehungen und von einem „ungewöhnlichem Dialog“. Doch hinter den Kulissen der „Saarbrücker Gespräche“ erklärte Lafontaine seinem Gast, er müsse aufgrund der realen politischen Kräfteverhältnisse in der BRD in eine bestimmte Richtung öffentlich Stellung beziehen. Das Protokoll der SED notierte, Lafontaine „brachte Verständnis für die Position der SED zum Ausdruck“, abschließend zitiert das Protokoll Lafontaine wörtlich mit der Frage: „Was ist euch lieber, eine SPD als 30-Prozent Partei oder eine SPD als Regierungspartei?

Im Sommer 1989 spitzte sich die Lage in der DDR zu. Lafontaine wollte etwas tun, um die erodierende Macht der SED zu stabilisieren. Nichts fürchten viele Sozialdemokraten schließlich mehr als eine DDR, die in Chaos und Gewalt versinkt und den fragilen Frieden zwischen Ost und West bedroht. Also schickte Lafontaine seinen Staatssekretär und Vertrauten Pitt Weber mit einer persönlichen Nachricht für Erich Honecker nach Ostberlin. „Lafontaine möchte persönlich einen internen Beitrag leisten, um die entstandene Lage (…) zu entschärfen“, erklärte Weber im Gespräch mit Gunter Rettner, „so wie das mit der Ständigen Vertretung gelaufen sei, könne es sich kein Staat gefallen lassen. Unzumutbar sei auch die Tatsache, dass in Budapest BRD-Pässe an DDR-Bürger ausgegeben werden.“ Dazu hatte Pitt Weber ein besonderes Bonbon seines Chefs mitgebracht, denn Lafontaine ließ demnach bereits prüfen, „ob man ein Zeichen setzen könne, indem an DDR-Bürger, die sich besuchsweise im Saarland aufhalten, in Zukunft keine Pässe für Ausflüge nach Frankreich und Luxemburg mehr ausgegeben werden“.

Der Ministerpräsident des Saarlandes erwog also nicht mehr und nicht weniger als einen Verfassungsbruch. Doch der Zusammenbruch der DDR ließ sich nicht mehr aufhalten. Damit brach nun auch in der SPD der Streit über den Umgang mit der Opposition und die Zukunft der DDR offen aus. Parteichef Hans-Jochen Vogel war nicht länger bereit, die führende Rolle der SED zu akzeptieren. Willy Brandt sprach im Parteivorstand von der Wiedervereinigung. Lafontaine hingegen stemmte sich gegen die „Wiederherstellung des Nationalstaates“. Er plädierte stattdessen für einen Prozess, der auf eine „Weltgesellschaft“ hinauslaufe, und von der DDR als einem Staat „wie Österreich“. Seinem einstigen Ziehvater Brandt warf Lafontaine „deutsch-nationale Töne“ vor.

Welche Ammenmärchen Lafontaine als GRÖSCHWAZ auch über seine Karriere in der SED mit Umwegen über die SPD zum Besten geben mag, die Wahrheit darf nicht wegsozialisiert werden.

Quelle: Oskar und die Pioniere

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Eine Antwort zu “Wider das Vergessen – Oscar und die SED

  1. Was zeichnet eine rote linke Socke aus?

    Neid, Missgunst und der Hass auf die Erfolgreichen.

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